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So könnte das Leistungsschutzrecht für Presseverleger aussehen

09.03.12

  08:48:00, von schnasti, 1008 Wörter  
Kategorien: Meine Meinung, Wirtschaft, Gesellschaft, Google

So könnte das Leistungsschutzrecht für Presseverleger aussehen

Spätestens seit Montagmorgen steht das Leistungsschutzrecht für Verlage wieder in der Debatte, da der am Sonntag getagte Koalitionsausschuss nun endgültig grünes Licht für diesen Entwurf signalisierte. Doch wie so oft bleiben viele Fragen offen. Sollten diese Fragen weiter offen bleiben, und das bis über die Einführung des Leistungsschutzrechts hinaus, dann Prost Mahlzeit!

Denn dann gilt der gleiche Irrsinn wie bei der Eintreibung der GEZ-Gebühren: Das Gerät ist vorhanden und deshalb muss gezahlt werden! Genau das sagt die derzeitige Formulierung des Koalitionsausschusses über die Gebühreneintreibung der Verlage, die ihr Urheberrecht, womöglich nur auf Informationen beruhend, durch Monopolbildung stärken möchten.

Zwar signalisiert hier die Koalition aus CDU/CSU und FDP, dass Privatpersonen nicht davon betroffen seien, doch die Wirklichkeit könnte da etwas anders aussehen. Die Frage die hier gestellt werden muss, ist die, wie eine gewerbliche Nutzung festgelegt wird. Die Rede ist jetzt von Zitaten und Auszügen. Doch dies kann, wenn das jene Kriterien für eine Abgabe darstellen, der Autor einer Internetseite einfach weglassen, sollte er sich einem Text eines Verlags bedienen, um daraus eine News zu gestalten. Keiner weiß wirklich, ob hier die reine Information, sozusagen das Umformulieren von medialen Informationstexten gemeint ist.

Und genau das muss eigentlich der Fall sein, da sonst das Leistungsschutzrecht seinen Sinn verfehlt, da wie erwähnt Auszüge und Zitate ebenfalls anders gestaltet, oder ganz einfach gelöscht werden könnten und somit aus dem Kriterium zur Abgabe fallen würden. Demnach ist das Leistungsschutzrecht nur sinnvoll, wenn die Abgabe nach dem Modell der GEZ oder GEMA funktioniert. Blogs und Internetseiten, die aus Informationen der Presse Texte verfassen, gibt es zu genüge. Und selbst hier fällt auch der private Blog darunter, sollte dieser auch nur annähernd einen Werbebanner enthalten.

Eine verzerrte Wahrnehmung haben auch die User, welche glauben, Google würde dann die Verlage einfach aus dem Index nehmen, da sie Google verpflichten, eine Abgabe zu leisten. Doch so weit haben die Verlage doch längst gedacht. Diese sind doch genau darauf bedacht, dass dies nicht passiert. Der ganze Sinn der Aktion würde verfallen, sollte Google die großen Verlage aus dem Index kicken. Der Hauptgrund des Leistungsschutzrechts ist im allgemeinen der Index, vor allem aber der Algorithmus, der noch vor Kurzem ein ausgeglichenes Bild auf Seite eins darstellte und schon jetzt zu einem Einheitsbrei, zugegeben nur bei bestimmten Themen, verkommen ist.

Dr. Hubert Burda sagte 2009 ähnliches. Ihm ging es schlicht um die Positionierung von anderen Webseiten, wobei sich deren Autoren Informationen durch Presseverlage beschaffen, daraus News erstellen und dann durch gute Positionierungen in der Suche gefunden werden, was wiederum bedeutet, sollten sie Werbung integriert haben, dass diese Autoren durch kostenlose Inhalte der Verlage profitieren, indem sie Geld durch Werbeeinnahmen verdienen. Doch unisono geht diese Forderung damit, dass Verlage ebenso die ersten Positionen inne halten müssen. Dabei geht es nicht um das Urheberrecht, sondern um selbst erstellte Werke, die aus Informationen der Presseverleger stammen. Das ist das wirklich Gefährliche an der ganzen Sache. Die Verlage wollen unbeliebte Konkurrenz mit einem Fingerschnipp ausmerzen.

Es geht hier konkret vielleicht gar nicht um Google selbst. Ich glaube auch kaum, dass Google etwas gegen eine kleine Abgabe Einwende hätte, da das Leistungsschutzrecht sicherlich nicht an den Einnahmen prozentual fest gemacht, sondern pauschal abgegolten werden soll. Auch der Vorstandsvorsitzende der Axel-Springer AG, Mathias Döpfner, schimpft in seinen Argumenten nicht wirklich gegen Google. Seine Argumentation beruft sich ebenfalls an der Gratiskultur, die durch das Web entstanden sein soll. Und da wir jetzt noch gratis zitieren dürfen, hier zwei bemerkenswerte, schaurig gruselige Zitate des Herrn Döpfner zu dem Thema Leistungsschutzrecht: ? Die verbreitete Gratiskultur im Netz ist ein Missbrauch der Freiheit, der die Freiheit selbst bedroht.? und ?Warum bedroht dieser Missbrauch die Freiheit? Weil das Angebot schrumpfen wird und dadurch die Auswahl sinkt.? (Quelle)

Und genau dieses Verhalten würde mich jetzt dazu verpflichten, Leistungen abzutreten, da ich ein Medium zitiert und ich auf meiner Internetseite Werbung integriert habe. Ich muss aber hier mein selbst erstelltes geistiges Eigentum mit Fakten untermauern, da sonst das Geschriebene wenig Sinn macht. Ohne diese Zitate, die eigentlich schon bei Herrn Burda fällig wären, stünde ich da wie ein Spinner. Wenn wir uns dazu noch die Argumente von Mathias Döpfner ansehen, wo die Freiheit durch die Gratiskultur eingeschränkt wird, dann frage ich mich, ob ich total durchgeknallt bin. Gerade durch das Leistungsschutzrecht wird doch die Freiheit eingeschränkt, da mit Zwangsabgaben Meinungen vertrieben werden. Gehen diese Zwangsabgaben einher mit der Festlegung der Positionen in der Google-Suche, dann kann von Freiheit überhaupt gar keine Rede mehr sein.

Vielleicht sollten sich die Verlage, und sicherlich auch einige Hobbyjournalisten, nicht so wichtig nehmen. Es gibt noch viele andere Menschen in diesem Land, die einigermaßen Schreiben und Denken können, was man von vielen selbsternannten Qualitätsmedien und ihren Contenschleudern nicht mehr wirklich behaupten kann. Vielleicht sollten diese allgemein auf mehr Qualität setzen und nicht auf das Kopieren von vorgefertigten Texten der Presseagenturen. Vielleicht sollte ein Journalist sich viel intensiver mit einem Thema befassen können, damit daraus einmal ein produktiver und sinnreicher Text entstehen kann. Oder meint Herr Döpfner mit seiner Bild-Zeitung qualitativ hochwertigen Content zu schaffen? Für einige Schriften die dort veröffentlicht werden, müssten die Leser eigentlich noch entschädigt werden. Die Spätfolgen werden ebenfalls schon sichtbar, wodurch die Korrektur der vernebelten Hirne Milliarden verschlingen dürften :)

Aber wie so oft geht es nur um das liebe Geld. Gerade sind Medienkonzerne die eine AG darstellen vom schnellen Geld abhängig, was durch die steigende Vielfalt an Internetseiten, welche wiederum ebenfalls in den Google-Index aufgenommen werden, immer schwieriger zu verdienen sein wird. Hier gilt es das Anrecht auf gute Positionen, was bei der Vielzahl von Magazinen sogar mehrere Seiten der Google-Suche darstellen könnte, durch Lobbyarbeit und guten Beziehungen zu Angela Merkel, zu ergattern.

Nur sollten wir hierbei nicht vergessen, dass die Freiheit nicht hinter dem Geldverdienen gestellt werden darf, da somit ebenfalls die gleichen autoritären Wunschvorstellung vergangener Diktatoren gestillt wurden. Vielleicht spendet Mathias Döpfner ja ein paar Millionen von seinem gigantischen Verdienst, wobei er mit 11 Millionen Euro im Jahr 2009 den Topverdiener Josef Ackermann in der Rangliste der Bestverdiener ablöste, an die armen Journalisten, die durch böse Webseitenbetreiber um ihr geistiges Eigentum und ihren Verdienst gebracht werden.

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