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Bei Schnee nach Müll buddeln und Laub rechen - Mein Tagebuch in einer Arbeitsgelegenheit, auch 1-Euro-Job genannt

06.12.12

  12:26:00, von schnasti, 922 Wörter  
Kategorien: Meine Meinung, Politik

Bei Schnee nach Müll buddeln und Laub rechen - Mein Tagebuch in einer Arbeitsgelegenheit, auch 1-Euro-Job genannt

Vorwort:

Wenn das Nebengewerbe dank Politik und Medien den Bach runter geht: Blogs gefährden ja seit Neustem die Demokratie in diesem Land und schmälern die Einnahmen der großen Online-Medien, vor allem wenn sie weit oben in der Suchmaschine gelistet werden; dann muss der Faulpelz, der sich nur auf diesem Nebengewerbe ausruht - das ist die gängige Einstellung im Jobcenter Meißen ? ganz schnell irgendwo untergebracht werden.

Tag 1 - 05.12.2012

Die Einsatzbesprechung für die Arbeitsgelegenheit, die der Eigenbetrieb Sopro der Stadt Meißen managt, erfolgte am 05.12.2012. Schon hier bemerkte man den leichten Unmut darüber, dass schon wieder zwei neue Sklaven vom Amt hier antreten müssen. Die Arbeit des nächsten Tages hieß: Laub rechen in einem Park! Ein Blick gen Bäume verriet mir hier, dass dies nicht wirklich viel mit Arbeiten zu tun haben kann. Und die Meteorologen sagten dazu noch Schnee voraus. Die Frage nach der Masse an Laub in diesem Park: Es ist schon noch etwas da. Spannend, dachte ich mir!

Tag 2 - 06.12.2012

Über Nacht hat es kräftig geschneit. Die Wettervorhersage passte diesmal. Soll ja vorkommen. Das spannende an diesem Morgen war aber, dass das wenige Laub nun auch noch von Schnee bedeckt worden war und immer noch wird. Aber was solls. Frohen Mutes und jeder menge Schnee ging es auf zum Einsatzort. Dort angekommen warteten schon ein paar halb durchgefrorene Seelen. Mein erster Gedanke: Wie, nichts zum aufwärmen? Keine Toilette? Kein Laub?

Nach dem Vorstellen war meine erste Frage: Wo ist der Teamleiter? ?Der kommt noch? Wann? ?Gestern kam er halb neun? - Wie jetzt, Arbeitsbeginn ist aber um 8 Uhr - ?Ja, der muss noch Werkzeuge aufladen und an den Einsatzort bringen? - Ja welche Werkzeuge denn?

Und dann war es auch so weit. Eine halbe Stunde später, in der die Kälte sich schon durch die Schuhe gefressen hatte, kam der Teamleiter mit Beifahrer und sieben Rechen auf der Ladefläche angefahren! Schon hier musste ich ein wenig lachen. Ob die beiden jeden einzelnen Rechen zusammen aufgeladen haben?

Die Antwort auf die Frage nach der heutigen Tätigkeit war jedoch der Supergau. Der ?Teamleiter? holte anstatt der Rechen zwei blaue Säcke aus dem Auto, für sieben Mann wohlgemerkt, und sagte: Geht irgendwo Müll sammeln! Ich musste laut lachen. Ich darf mit einer knall-orangnen Weste bei 10cm Schnee in einer Kleinstadt nach Müll buddeln gehen, irgendwo und das fünf Stunden lang? Wer kommt auf solche Ideen, fragten wir: ?Dies würde in Auftrag der Stadt Meißen geschehen und dies würde nur weitergegeben!? Dann können wir auch hier bleiben und Laub unter dem Schnee hervorholen, dachte ich mir. Aber den armen Mann überfordern wollte ich auch nicht: Er macht ja auch nur seinen ?Job?,

Diese Tätigkeit wurde nach zwei Telefonaten und der kategorischen Ablehnung durch alle Teilnehmer nicht ausgeführt!

Ich bin übrigens sehr gespannt, wann solche Beispiele einmal unsere Presse erreichen und wie die nächsten Tage, oder der Winter allgemein, in dieser Maßnahme weiter geht! Morgen wird es noch kälter und der Einsatzort ist derselbe :)

Tag 3 - 07.12.2012

Der dritte Tag startete wie Tag zwei mit viel Schnee, jedoch mit noch eisiger Kälte. Minus 9 Grad zeigte das Thermometer, wobei schon bei dem Gedanken an die tolle Null-Arbeit sich die Fußnägel vor Kälte zusammenrollten. Am Einsatzort hockten wieder dieselben grauen Gestalten, wobei ich mich fragte, welche davon denn den höchsten Pegel momentan intus hat.

Es fielen wenig Worte in der Zeit des Wartens. Bis auf eine Person; diese erzählt ständig ein- und dasselbe. Als würde diese Maßnahme schon langsam Früchte tragen. Dann erschienen plötzlich noch weitere Personen, die ebenfalls hierher verordnet worden. Die Frage nach der ausführenden Tätigkeit, also das Nichtstun in eisiger Kälte, interessierte wenig, obwohl der eine schon so aussah, als würde er gleich den Kältetod sterben. Einer von diesen neuen Personen kam sogar in Jogging-Hose, worunter sich natürlich noch eine Unterhose befand!

Nach diesmal nur 15 Minuten Verspätung war es dann soweit. Der Anleiter plus zwei Beifahrer erschien, wobei keiner von denen gar nicht erst aus dem Auto raus stieg. Wahrscheinlich war es gerade sehr gemütlich und warm geworden im Auto. Die Anwesenheitsliste wurde durchgegangen und die ausführende Tätigkeit aufgetragen. Diese lautete wie zum Vortag: Eine hellorange Weste an, Müllbeutel in die eine Hand, um mit der anderen im Schnee nach Müll zu buddeln, egal wo!

Ich sagte natürlich: ?Mache ich nicht!? - woraufhin der Anleiter, oder sagen wir besser Anleiterin, erwiderte: ?Das ist Arbeitsverweigerung?. Die Frage danach, welche Arbeit hier denn verweigert werden soll, weil überhaupt gar keine vorhanden ist, blieb natürlich unbeantwortet. Auch regte sich wie am Vortag kein Widerstand aus der Horde. Später wurde mir auch klar warum. Einen Tag zuvor war nur der Laufbursche der Anleiterin am Einsatzort erschienen!

Na gut, schauen wir uns einmal an, was jetzt passiert. Viel kann ja nicht passieren, denn es liegt ordentlich Schnee. Die Annahme von Müllbeuteln wurde größtenteils verweigert, was bedeutete: vier Stunden Spazierengehen bei Minusgraden! Aber ich will jetzt nicht von diesen vier Stunden erzählen. Eher interessiert, dass nach diesen vier Stunden kein Müll zusammengetragen wurde und es niemanden interessierte!

Worum es bei diesen menschenunwürdigen Maßnahmen geht, ist das schlichte zusammentragen von geleisteten Stunden, damit der Eigenbetrieb SoPro (Soziale Projekte) der Stadt Meißen, seine Gelder vom Staat erhält. Hier geht es nicht um Gemeinnützigkeit, vor allem nicht im Winter, sondern um Geld! Und wer meint, dass dieses für Arbeitsmaterial oder Arbeitssachen drauf geht, was im Winter wirklich notwendig wäre, der irrt. Erst gestern kam der Laufbursche der Anleiterin mit zwei gebrauchten Müllsäcken an! Müllgreifer sind auch zu teuer. Hier wird ein Stock mit einem Nagel ausgestattet und fertig ist der Müllspieß! Aber immerhin besser als Müll mit der Hand auflesen, dass muss man dazu sagen.

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